Der alte Zürichkrieg

Der Tod des kinderlosen letzten Grafen von Toggenburg 1436, löste Streitigkeiten zwischen Schwyz, Glarus und Zürich aus, die Ansprüche auf die Erbschaft erhoben. 1440 kam es zum Alten Zürichkrieg, in den der deutsche, ebenso wie der französische König eingriffen. Der äußerst grausam geführte Krieg endete 1446 mit der Niederlage Zürichs. Schwyz und Glarus konnten ihr Gebiet am oberen Zürichsee erweitern.

 

Was hat das mit uns Kränzler zu tun?

Die Erweiterung der Eidgenossenschaft mit dem Beitritt von Luzern, Zürich, Zug, Glarus und Bern zur Alten Eidgenossenschaft könnte damit im Zusammenhang stehen, das sich ein Schweizer mit dem Namen Kraenzli auf den Weg in die Grafschaft Wirtemberg (Württemberg) machte.

Dort wurde der Name Ulrich Kränzler erstmals zwischen den Jahren 1450 bis 1475 in den Steuerbüchern der Stadt Dettingen an der Erms erwähnt bzw.eingetragen.

Es wird also keinen in Erstaunen versetzen, das es im Gebiet des heutigen Baden Württemberg die größte Ansammlung des Familiennamen Kränzler gibt.

 

Wie ging es weiter?

Am 07. Juni im Jahr 1758 war es soweit, das für unseren Familienzweig wieder etwas bedeutsames passierte.

Johann Friedrich Kränzler wurde in Lustnau bei Tübingen in Baden Württemberg geboren. Dort heiratete er am 09. November des Jahres 1785 Christina Margarethe (geb.Heusel). Die Beiden entschlossen sich gemeinsam mit ihren Kindern Margareta Kränzler, Johann Friedrich jun. Kränzler geboren am 10. Oktober des Jahres 1786 und dessen Ehefrau Anna Chatharina (geb. Rosental), sowie Johann Heinrich Kränzler geb. 1790 mit dem Ziel Polen, Russland, Podolien auszuwandern. (Auswanderer-ID des Landesarchiv Baden Württemberg = 30458).

Was genau Anlass zur Auswanderung gab, ist nicht überliefert, aber es gab genug Anlässe das Herzogtum Wirtemberg zu verlassen. Ein Deutschland, wie wir es heute kennen, gab es noch lange nicht!

Mögliche Auswanderungsgründe wären:

 

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freie Religionsausübung

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Befreiung von Steuern auf 10-30 Jahren

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zinslose Darlehen für alle Anschaffungen

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Befreiung vom Militärdienst "auf ewiger Zeit"

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eigene Gemeinde- und Schulverwaltung

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unentgeltliche Zuweisung von 30 - 80 Dessjatinen Land von der Krone an jede Familie

(Eine Dessjatine = 10925,3975 m² ≈ 1,1 ha)




  • Politische Gründe

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Seit 1796 rückten französische Truppen in Oberdeutschland ein. Das ganze Rheinthal, Schwaben, Franken, dann Bayern wurden besetzt. Die feindlichen Truppen griffen, wie Schwärme hungriger Wölfe, die Bevölkerung an.

Die Contributionen und Requisitionen waren furchtbar. "Die Soldaten misshandeln das Land aufs Äußerste, ich erröte, ein Heer zu führen, welches sich in so unwürdiger Weise beträgt----". schreibt der französische General Jourdan.

 

  • Wirtschaftliche Gründe

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Die politischen Verhältnisse beschworen auch wirtschaftliche Notstände herauf. Zu den Kriegsnöten kamen noch schlechte Ernten hinzu. Auf die Missernten folgten Futtermangel. Zwei Drittel des Viehs gingen zu der Zeit ein oder mussten wegen Futtermangel notgeschlachtet werden. Baumrinde, Stroh und Kleie wurden zu Brot verbacken, Gras und Heu gekocht und gegessen.

Nicht nur die Bauern litten Not, auch die Handwerker befanden sich in einer schwierigen Lage. In den Auswanderungsakten findet man immer wieder als Grund die Angaben: "Nahrungslosigkeit, schlechte Zeiten, Mangel an Verdienst"

"Wegen schlechten Güterertrags und großen Abgaben"

"Hoffnung auf besseres Fortkommen oder besseres Glück"

  • Religiöse Gründe

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Im Herzogtum Wirtemberg spielen religiöse Gründe eine wesentliche Rolle, wenn sie auch nicht die Hauptursache sind. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensrichtung war oft mit vielen Sanktionen und Verfolgungen, sowie wirtschaftlichen Beschränkungen verbunden.

Im Jahr 1805 kam die Familie Kränzler nun im Gebiet Glücksthal bei Odessa in Russland an. Die Ahnen-folge ist im Bereich "Ahnenforschung" zu sehen.

 

Zurück nach Deutschland!

In der jüngeren Geschichte wurden sämtliche Zusagen aus dem "Manifest" der Zarin Katharina II. vom 22. Juli 1763 revidiert.

Das "Angleichungsgesetz" aus dem Jahre 1871 sorgte dafür, dass der Sonderstatus der Kolonisten allmählich aufgehoben werden sollte. So wurden die Selbstverwaltungseinrichtungen aufgelöst, russisch wurde Amts- und Schulsprache, der Militärdienst wurde verpflichtend. Diese Entwicklung kann nun einerseits als Förderung des Mitspracherechtes, und insgesamt der Integration, andererseits als Versuch einer Bevormundung und Beitrag zur Assimilierung der Russlanddeutschen angesehen werden.

Diese Russifizierungsmaßnahmen in der Zeit um 1870 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts führten dazu, das bis 1912 etwa 300.000 Russlanddeutsche nach Nord- und Südamerika auswanderten, was jedoch das Bevölkerungswachstum in dieser Gruppe nicht nachhaltig beeinflusste, da auf Grund einer hohen Geburtenrate die Zahl der Russlanddeutschen bis 1914 auf 2,4 Millionen angewachsen war.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Russlanddeutschen - aus deren Reihen immerhin 300.000 Soldaten in der russischen Armee kämpften - als "potentieller Verräter" und "innerer Feind" bekämpft.

1914 verbot der letzte Zar, Nikolaus II. (1894 - 1917), u. a. den Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit. 1915 gab es in Moskau ein Pogrom gegen Deutsche. Im selben Jahr wurden in Russland deutsche Zeitungen verboten, durften keine deutschsprachigen Bücher mehr gedruckt werden und kamen Gesetze mit dem Ziel heraus, die Deutschen an den Landesgrenzen, später 1917 im ganzen Land zu enteignen und zu vertreiben. Die Februarrevolution 1917 verhinderte Schlimmeres, auch wenn zu diesem Zeitpunkt schon 200.000 Kolonisten aus Wolhynien wirtschaftlich ruiniert und vertrieben bzw. nach Sibirien deportiert worden waren.

Ende 1929 begann Stalin mit Hilfe von Terror, die zwangsweise Kollektivierung der Landwirtschaft durchzusetzen. Dies führte 1932/33 zu einer weiteren, noch verheerenderen Hungerkatastrophe als 1920/21. Die Angaben der Opfer reichen von 3 bis annähernd 11 Millionen Menschen. Unter ihnen befanden sich etwa 350.000 Russlanddeutsche.

Spätestens mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, wurden die Russlanddeutschen wieder als "innerer Feind" betrachtet und heimlich in Listen erfasst (1934). Repressionen und Verhaftungen angeblicher "Spione" oder "Sowjetfeinde" nahmen zu. Allein in der Ukraine wurden 1937/38 122.237 Deutsche zum Tode, 72.783 zu Haftstrafen von zumeist 10-25 Jahren verurteilt. Die Situation entspannte sich nur vorläufig nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes 1939.

 

In dieser Zeit, exakt am 03. Oktober 1913, wurde Gottlieb Kränzler als Sohn von Jakob Kränzler und Margarethe Kränzler geb. Kammerer in Klein Bergdorf bei Odessa in Russland geboren.

 

Die Flucht!

Im Frühjahr 1942 flohen die Einwohner aus Klein Bergdorf vor der Wehrmacht. Sie mussten alles Hab und Gut zurück lassen und versteckten sich in den Bergen. Nachdem die Wehrmacht das Gebiet besetzt hatte, begaben sich die Einwohner in ihre Wohnhäuser zurück und versuchten ihren Lebensrhythmus wieder zu finden.  Dieses gelang jedoch nur für kurze Zeit.

Im März 1944 flohen Gottlieb Kränzler mit seiner Ehefrau Emilie (geb. Gast) und drei Kindern (Erna Kränzler * 01.März 1931 ✞ 20 Juli 2017;    Oswald Kränzler * 30. Juni 1932  ✞ 19 Nov 1986; Christine Marlis Melitta Kränzler *), wie alle Schwarzmeerdeutsche aus Furcht vor der Roten Armee aus Klein Bergdorf. Der Marsch begann im März 1944 und endete nach Monaten im Juli 1944. Der Weg des Trecks führte über Tiraspol, Tighina, Taruntino, Vulkanesti, Galatz, Ismail am südlichen Donauufer entlang über Calarasi (April 1944), Tsenovo (Mai 1944) nach Bulgarien mit den Stationen Silistra, Lom e Widin; dann Donauüberquerung und weiter über Orsova (Juni 1944) bis Jasenovo südlich von Weißkirchen (Bela Crkva) an der serbisch-rumänischen Grenze. Ab Jasenovo ging es dann weiter per Eisenbahn über Budapest (Ungarn) bis in den Warthegau (Juli 1944), wo sie im Umsiedlungslager in Litzmannstadt (Łódź) untergebracht wurden.

Nachdem Ihnen im Wartheland angekommen, alle Tiere wegenommen wurden, näherte sich auch hier nach kurzem Aufenthalt erneut die Rote Armee. Somit begann die Flucht erneut. Sie kamen sie im Januar 1945 im Flüchtlings-Durchgangslager in Uelzen-Bohldamm an. Aus dem Auffanglager ging es in den Landkreis Celle. Hier in Wiedenrode im Landkreis Celle fanden sie ihre neue Heimat.